Weinkennerschaft vs. Weltmeisterschaft
In Anlehnung an einen bekannten Aphorismus möchte man sagen: „Die Handball-Weltmeisterschaft lief - doch alle, alle Gäste kamen… „
Die traditionelle Weinprobe des OWG schien nicht gut terminiert zu sein, denn genau zur Probezeit, kämpfte die deutsche Nationalmannschaft um den 3. Platz bei der Weltmeisterschaft. Das Organisationsteam um den 1. Vorsitzenden Andreas Siegele hatte die eine oder andere Sorgenfalte auf der Stirn und bereitete sich auf ein kleines Desaster hinsichtlich der Teilnehmerzahl vor. Doch weit gefehlt, die Grötzinger Weinliebhaber setzten darauf, dass unser Nationalteam auch ohne ihre Unterstützung vor dem Fernseher den Sieg erringt und die Weinprobe dann ein würdiger Rahmen für die Medaillenfeier ist.
Die in diesem Jahr zur Verkostung gereichten Weine stammten aus dem Weinanbaugebiet des westlichen Strombergs, genauer, aus Diefenbach (Sternenfels) und wurden von den Eheleuten Regina und Klaus Steinle vorgestellt.
Auf circa 20 Hektar bewirtschaften die etwa 25 Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft (WG) Diefenbach die Einzellage “Diefenbacher König“. Dieser Name klingt vielversprechend und die Teilnehmer unserer Weinprobe waren sich am Ende der unterhaltsamen Veranstaltung einig, dass dies eine absolut angemessene Bezeichnung für die feinen Tropfen ist. Doch der Reihe nach: Das Räuberle, ein Secco Muskat-Trollinger Rose, eröffnete das Angebot und war sehr geeignet, Lust auf weitere Tropfen wecken. Die Warnung des Winzers, dass Kohlensäure dem Alkohol einen schnelleren Zugang zum Kopf verschafft, verhallte ungehört bzw. wurde geflissentlich ignoriert, zumal die von Frau Siegele und ihrer Tochter Anna liebevoll angerichteten Käsehappen die Wirkung garantiert reduzieren, oder? Unter den zahlreichen Gästen wurden vom 1. Vorstand die Ortsvorsteherin Karen Essrich mit ihrem Mann begrüßt, auch die Ortschaftsrätinnen Hauswirt-Metzger, Frau Schmid-Rohr und Renate Weingärtner, der Alt-Ortsvorsteher Armin Ruf und die Vorgänger im Amt Karl Schmid und Harald Burst wurden mit einem herzlichen Applaus willkommen geheißen.
Nach dem Hinweis des Winzers, dass man einen Wein erst dann fachmännisch beurteilen kann, wenn er durch Riechen, Sehen und Schmecken erkundet ist, schritten die Anwesenden umgehend zur Tat. Das heißt, der Charakter eines Riesling Exponent wurde äußerst ambitioniert und gründlich entschlüsselt.
Die Genossenschaft Diefenbach hat sich die Marke „Exponent“ schützen lassen, denn es handelt sich dabei mitnichten um eine mathematische Funktion, sondern um Premiumprodukte der WG. Die Bezeichnung rührt von der EXPO 2000 in Hannover her, bei der auch vier Weine aus Diefenbach prämiert wurden. Diese Auszeichnung verdienten und verdienen sich die Winzer durch ihre aufwändige Handlese und den Verzicht auf intensive Bodenbearbeitung des Weinbergs. Etwa ein Drittel der Trauben werden bei der Lese verworfen, um einen Standard zu erzielen, der höchsten Ansprüchen genügt. Mit einem Vollernter wäre es absolut unmöglich, diese Qualität bei der Lese zu erreichen, versicherte Herr Steinle. Seine Frau bekräftigte, dass ihr Gatte sehr penibel auch Trauben mit kleinsten Fehlern aussortiert.
Nach einem Weißburgunder und einem feinfruchtigen Spätburgunder zitierte unser Winzer eine wichtige Weisheit, zu der er sicherlich erst nach etlichen Verkostungen gelangt ist:
„ Wenn Du einen Vetter hast
Und der hat gute Weine,
dann sorge, dass er Dich nicht hasst,
sonst trinkt er sie alleine“
Das Spielergebnis unserer Handballer wurde trotz der intensiven Weinprobe aufmerksam zur Kenntnis genommen und von den Gästen entsprechend kommentiert.
Von dem folgenden 2018er Muskat-Trollinger war unser Winzer überzeugt, dass er nicht nur ein toller Tropfen ist, sondern auch den Weg zum Herzen einer Auserwählten ebnen kann.
Im weiteren Verlauf des Nachmittags, (die Begegnung Deutschland-Frankreich Spielstand 25:25) wurde auch die Frage geklärt, was “Großer Vernatsch“ und “Hammelshoden“ wohl miteinander gemein haben. Nun, es handelt sich um die Trollinger Traube, welche so in Südtirol bzw. Italien bezeichnet wird. Hätten Sie`s gewusst?
Mit einem Samtrot Exponent und einem Lemberger Exponent ging die Weinprobe dem Ende entgegen, Deutschland hatte inzwischen leider verloren, doch die Überraschung, welche Herr Steinle für den Abschluss des gelungenen Nachmittags bereit hielt, lenkte von der Enttäuschung über das Spielergebnis ab.
Im Hauptberuf ist der Winzer nämlich bei der Autobahnpolizei Pforzheim tätig und brachte zum Erstaunen der Gäste, einen Alkoholtester Alkomat mit. Wer wollte, konnte damit feststellen, ob der Wein bei ihm bereits gewisse Nebenwirkungen zeitigte. Denn, wie stellte Theodor Heuss einst fest: “Der Wein ist ein gefährlicher Kumpan...“
Nach den, selbstverständlich anonym bleibenden, Testergebnissen waren viele über den ermittelten Promillewert überrascht und sehr froh, dass Herr Steinle außer Dienst und quasi ehrenamtlich die eine oder andere Fahrerlaubnis „ gerettet“ hat.
Wobei zu sagen ist, dass keiner der Verkoster je die Absicht hatte, später ein Fahrzeug zu führen. Für eine sichere und nüchterne Heimfahrt stand natürlich ein absolut nüchterner Chauffeur bereit. (hako)